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Konfrontative Iran-Politik basiert auf Verzerrung der inner-iranischen Verhältnisse


Presserat, Statistik

Seit 1986 von Presserat gerügte Medien

Der deutsche Presserat wurde am 20. November 1956 gegründet, um ein geplantes Bundespressegesetz, die in vielen Rechtsstaaten üblich ist, zu verhindern. Kritiker werfen dem Presserat aber vor, ein zahnloser Tiger zu sein. Denn der Spitzenreiter in Verstößen gegen die Pressethik und -kodex ist die Bild-Zeitung, die ungeachtet dessen nie die Form ihrer Berichterstattung korrigiert hat.

Im Bezug auf die Iran-Berichterstattungen gab und gibt es schon einige erfolgreiche Beschwerden, die Bekannteste ist wahrscheinlich die gegen die falsche Übersetzung von Ahmadinejads Redewendung Wipe off the map. Oft sind die Beschwerdeführer Friedens- und Linksaktivisten, die gegen mutmaßliche kriegshetzerische Artikel vorgehen, die sich meist auf die iranische Sicherheits- und Außenpolitik beziehen. Die fehlerhaften oder einseitigen Angaben über die iranische Wirtschaft oder Innenpolitik bleiben davon aber unberührt, obwohl diese erst die Grundlage für eine konfrontative und nicht am Interessenausgleich orientierte Politik gegen den Iran bilden. Im Folgenden wird eine hypothetische, aber auf Realität fußende Beschwerde exemplarisch wiedergegeben.


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich sehe im Kommentar „Regime in der Krise: Kleriker wenden sich ab - Iran im Fieber“  von Rudolph Chimelli gleich mehrere Verstöße gegen die Ziffern 1 und 2 des Kodexes des Presserats und möchten uns für eine Richtigstellung einsetzten.

In Ziffer 1 heißt es: "Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse. Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser Grundlage das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien."

Ebenso ist dieser Artikel ein Verstoß gegen Ziffer 2 des Kodexes, in dem es heißt: "Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. [...] Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen."

Der erste Verstoß, über den ich mich beschweren möchte, ist die folgende Textstelle:

„Abseits aller politischen Polemik zeigen unbestreitbare Daten, dass es der Mehrheit der 75 Millionen Iraner nicht gut geht. Arbeitslosigkeit und Inflation werden in zweistelligen Zahlen gemessen. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist in den drei Jahrzehnten seit der Revolution um sechs Jahre gefallen.”

Abgesehen davon, dass diese angeblich unbestreitbaren Daten nicht genannt werden, ist diese Aussage auch inhaltlich falsch. Angeblich geht es der Mehrheit der iranischen Bevölkerung nicht gut. Dabei ist der Bevölkerungsanteil unter der Armutsgrenze von 53 Prozent im Jahr 2000 auf 18 Prozent im Jahr 2009 gesunken.  Die Fakten zeigen also eher das Gegenteil. Die Daten des Internationalen Währungsfond (IWF) sprechen unterdessen von einem steigenden BIP im Iran, das sich ohnehin schon auf Rekordhöhe befindet.  Die Arbeitslosigkeit hat sich seit 2000 halbiert,  liegt aber mit 12,5 % im Jahr 2009 tatsächlich immer noch im zweistelligen Bereich. Dagegen ist der letzte Satz eine wirklich dreiste Falschaussage. Iranische Quellen sprechen von einer von 57 Jahren im Jahr 1979 auf 73 Jahre im Jahr 2009 gestiegenen Lebenserwartung.  Dies ist kein orientalisches Lügenmärchen, denn nach näherer Prüfung bestätigt sich auch diese Aussage als weitgehend richtig: Selbst westliche Quellen bestätigen die gestiegene und immer noch steigende Lebenserwartung im Iran (siehe auch: "The Mullah's Balance Sheet", The Economist, 18 Januar 1997 Survey of Iran).  Die Textstelle ist somit entweder schlecht oder gar nicht recherchiert (Verstoß gegen Ziffer 2) und eine Falschaussage (Ziffer 1).

Die nächste Textstelle über die ich mich beschwere:

„Doch Herzen und Gehirne haben Ahmadinedschad und der Geistliche Führer Ali Chamenei nicht gewonnen. Es gibt keinen einzigen namhaften Schriftsteller, Künstler, Regisseur, der auf Seiten der Herrschenden hervortritt.“

Obwohl schon ein einziges Beispiel ausreicht um diese exklusive Aussage zu widerlegen, möchten ich hier mehrere Beispiele anführen - und eines besonders hervorheben: Eine einfache Google-Suche nach dem erfolgreichsten Schriftsteller Irans 2009 (ich gehen davon aus, dass man den Schriftsteller mit dem meistverkauften Roman als „namhaft“ bezeichnen dürfte) zeigt, dass dieser bei den Präsidentschaftswahlen 2009 den Präsidenten Ahmadinedschad wählte und dies auch öffentlich proklamiert hat. Auch der berühmte Sänger Alireza Eftekhari wählte Ahmadinedschad und ebenso der Regisseur Masoud Dehnamaki, der der Macher des meist gesehenen Kinofilms in der iranischen Geschichte „Ekhrajiha“ ist und der für seine Kritik am Staatsfernsehen IRIB  bekannt ist.

Noch ein Hinweis: Sehr namhafte und populäre iranische Regisseure und Schauspieler nahmen kürzlich an einem Treffen mit dem Staatsoberhaupt Ayatollah Khamenei teil - darunter z. B. auch  Mohamad Reza Sharifinia, der häufiger in religionskritischen Filmen mitspielt.  Zu nennen sind auch Kambiz Dirbaz, Parvaneh Masoumi und auch wieder Regisseur Dehnamakia.
Die Behauptung, dass es „keinen einzigen namhaften Schriftsteller, Künstler, Regisseur, der auf Seiten der Herrschenden“ gibt, ist somit widerlegt, offenbar schlecht recherchiert (Ziffer 2) und diese Falschaussage (Ziffer 1) muss richtig gestellt werden. Somit ist auch die folgende Aussage in einem anderen Licht zu sehen:

"Das Regime verbreitet ein Klima intellektueller Dürftigkeit"

Ein weiterer Hinweis, dass diese Aussagen von Unkenntnis zeugt, ist, dass - trotz einer Reihe von Beschwerden seitens konservativer Kräfte im Iran - viele Künstler, die zugleich Aktivisten der „Grünen Bewegung“ waren oder sind, immer noch die (ihnen laut iranischem Gesetz zustehenden) Auszeichnungen für ihre Arbeit mit den entsprechenden akademischen Titeln bekommen. Unter den Künstlern werden in Mehr News Davud Rashidi, Behruz Gharibpur, Mehdi Azarsina, and Maryam Zandi genannt.  Ein Boykott hat nicht stattgefunden.

Ein weiterer Punkt, der die Schwarzmalerei bzgl. die angebliche „intellektuelle Dürftigkeit“ Irans in Frage stellt, sind die ab und zu stattfindenden Fernsehduelle. Selbst offenkundigen Sympathisanten des Ex-Diktators Pahlavi wird im Staatsfernsehen Sendezeit eingeräumt.  Bzgl. des Fernsehens ist auf noch einen Punkt hinzuweisen: Im Iran gibt es den Kanal 5, der hauptsächlich Beiträge zu Wissenschaftsthemen sendet. Auch das spricht gegen die obige Pauschalisierung.

Es ist auch auf die Meldung hinzuweisen, dass auf Initiative von Ayatollah Khamenei seit Februar dieses Jahres freie Debatten an der Teheraner Universität zwischen den verschiedenen politischen Lagern auf akademischem Niveau ermöglicht wurden. Seit mehreren Jahren stößt Khamenei das Thema immer wieder an, um freies Denken in den Universitäten zu ermöglichen. Die „Wahlunruhen“ waren ein Anlass, dass Projekt nun zu verwirklichen. Man rechnet offenbar damit, dass die Gewährung eines Ventils besser zur Stabilität und auch zur akademischen und intellektuellen Entwicklung des Landes beiträgt, als eine Entladung der Unzufriedenheit auf der Straße. Natürlich ist die Freiheit dort nicht gleich wie in der BRD, in vielen Bereichen ist sie geringer, wenn auch in anderen sogar größer. Aber von einer „intellektuellen Dürftigkeit“ kann keine Rede sein.

Die Textstelle ist somit entweder schlecht oder gar nicht recherchiert (Verstoß gegen Ziffer 2) und eine Falschaussage (Ziffer 1).

Abgesehen von der Intellektualität der Gesellschaft und dessen Förderung bzw. Bremsung seitens der Führerschaft ist noch etwas Grundlegendes an der oben genannten Aussage falsch:

„Herzen und Gehirne haben Ahmadinedschad und der Geistliche Führer Ali Chamenei nicht gewonnen“

Diese Aussage ist entweder nicht auf die iranische Bevölkerung als Ganzes bzw. auf Ihre  Mehrheit bezogen oder sie ist die persönliche Vorstellung des Autors, die hier als Fakt verkauft wird. Unabhängige westliche Studien und Umfragungen belegen das genaue Gegenteil: Der Präsident genießt ein größeres Vertrauen als alle anderen Institution (über 80 Prozent der Bevölkerung).  

Eine weitere Aussage im Text, die in Frage zu stellen ist, ist die Folgende:

„Nie war die Zensur auf allen Gebieten, von der Druckerpresse bis ins Internet, so drückend“

Dabei wurden erst in diesem Jahr verschiedene Filme anlässlich des iranischen Neujahres (Nowruz) zugelassen, die zuvor jahrelang auf der Zensurliste gestanden haben.  Darunter ist auch der Film „Fireworks Wednesday“ von Regisseur Asghar Farhadi, dessen neueste Produktion „Alles über Elly“ 2009 in Berlin den „Silbernen Bären“ für die beste Regie gewann. Daraus sollte eher geschlussfolgert werden, dass die Zensur schon einmal drückender gewesen ist. Wie sollten aktuelle Lockerungen gegenüber einem anderen Zeitraum sonst erklärt werden?

Der Hintergrund der Falschaussage der nächsten Textstelle ist ein wenig komplizierter und bedarf einer kurzen Erklärung. Das Prinzip des Patronats des Rechtsgelehrten “Wilayat al-Faqih” ist ein Konzept, das mehrere Jahrhunderte alt ist.  Seit der Revolution 1979 ist diese Theorie in der Islamischen Republik Iran erstmals tatsächlich zur Anwendung gelangt. Dazu wurde im Artikel Folgendes geschrieben:

"Dieses Regiment des Gottesgelehrten (Wilajat-i-Fakih) ist das oberste Staatsprinzip, das den Geistlichen Führer über alle Instanzen der so genannten Republik stellt und ihn zum absoluten Herrscher macht. [...] Es gibt in der schiitischen Welt nur etwa zwanzig Groß-Ayatollahs. Sie sind für ihre Anhänger Autorität in allen Lebensfragen und werden als "Quellen der Nachahmung" verehrt. Nur zwei dieser Großen waren für das Führerprinzip, das den Glauben auf unverträgliche Weise mit der Politik vermischt."

Auch diese Aussage ist nicht wahr. Die meisten Großayatollahs sind und waren Befürwörter der Herrschaftstheorie des Wilayat al-Faqihs, so auch Großayatollah Sanei, der kürzlich verstorbene Großayatollah Fadhlallah, Großayatollah Lankarani, Großayatollah Sadiq Shirazi  und sogar Großayatollah Montezari war bis zu seinem Tod Befürworter der Theorie des Wilayat al-Faqihs . Es lassen sich noch viele weitere aufzählen. Besonders erwähnenswert ist dabei Großayatollah Sistani, der zu den größten schiitischen Gelehrten unserer Zeit gehört und mehrere Millionen Anhänger weltweit hat. Seine Haltung zur Wilayat al-Faqih ist ebenso positiv und steht in keinem Widerspruch zu den Rechtsurteilen Ayatollah Khomeinis oder Khameneis.  Er führte in einer Fatwa sogar aus, dass der Befehl (Hukm) des Wilayat al-Faqihs Vorrang vor den Fatwas von allen Rechtsgelehrten – was Sistani einschließt – hat.  Alle diese Großayatollahs waren also grundsätzlich für dieses Prinzip. Unterschiede gibt und gab es nur minimal, nämlich in der Ausübung der Autorität, ob jeder Staat seinen eigenen Rechtsgelehrten haben soll (so Großayatollah Fadhlallah) oder wie der Rechtgelehrter zu dieser Autorität kommt. Aber über das Prinzip an sich sind die meisten Groyaytollahs – im Gegensatz zur Behauptung im Artikel von Herrn Chimelli – einig. Ebenso sind (nur ein letzter kleiner Hinweis) die im Artikel auf Seite drei benannte Fatwa von Ayatollah Makarem-e Shirazis und die Erklärung Ayatollah Khameneis nichts Neues, wie der Ausdruck „soeben […] bestätigen lassen“ suggerieren will.

Damit ist hier wieder ein Fall von einer Falschaussage (Ziffer 1) zu verzeichnen, die offenbar schlecht recherchiert (Ziffer 2) ist.

Basierend auf solchen fälschlichen Annahmen beim gleichen Thema schreibt Herr Chimelli:

 

„Eine Verschärfung der Konflikte mit der schiitischen Geistlichkeit ist durch solche theologischen Absurditäten absehbar.“

Diese Fehleinschätzung basiert auf der eben widerlegten falschen Annahme. Dazu muss auch erwähnt werden, dass die größte Gelehrtengemeinschaft Irans Ahmadinedschad zu seinem Wahlsieg gratuliert hat und sich eher von den „Reformern“ distanziert hat.

Ich erlebe es immer wieder, dass durch falsche Annahmen falsche Erwartungen gegenüber dem Iran erfolgen. Wenn sich anschließend die Erwartungen nicht erfüllen, greifen wir zu einer neu konstruierten Annahme, die die Erste erweitert, statt sie in Frage zu stellen. Das ist kein sauberer Journalismus, sondern eine Aneinanderreihung von Mutmaßungen. Der Leser hat das Recht über die Realitäten im Iran korrekt informiert zu werden. Dazu gehören neben den bekannten Missständen auch die positiven Elemente.

Der Iran ist kein Themenfeld, das man zu lässig angehen sollte, weil der Iran erstens sehr kontrastreich ist und darum detaillierter und differenziert betrachtet werden muss und zweitens das Thema Iran äußerst heikel ist, in dem es sogar um Krieg oder Frieden gehen kann. Somit verbleibe ich mit

herzlichen Grüßen

Max Mustermann


Homayoun H.28-08-10

Gut zu wissen, das mit dem Presserat, und dass man sich dort beschweren kann. Das war mir nicht bekannt. Ich finde aber Beschwerden über die Artikel die die Aussenpolitik und die Kriegshetze betreffen, momentan wichtiger als die Richtigstellung bezüglich innenpolitischer Punkte (die eher langfristig angelegt sind). Die Meinungsmache und Kriegshetze wirkt sich unmittelbar aus und zwar auf alle Menschen. Innenpolitische Punkte sind eher für die Meinung der "Entscheidenden" von Bedeutung. Ausserdem gibt es bei den Aussenpolitischen Punkten eine breitere Unterstützung.

Ich werde so etwas in Bezug auf die Aussenpolitik (Stichwort: tombombe) und dem dazugehörigen BILD Artikel schreiben.

Iraner28-08-10

Das ist eine sehr gute Idee. Das ist das mindeste was man hier machen kann.

Wolfgang28-08-10

Herr Chimelli ist natürlich ein erfahrener Journalistenhase und mit seinen 82 Jahren klug genug zu wissen, warum er in dieser Zeit, genau diesen Artikel zusammen gebastelt hat: Er bedient sich (nicht zum ersten Mal) der allgemeinen negativen Sicht gegenüber dem Iran.
Sein Artikel zeigt aber ziemlich deutlich das Dilemma, in dem sich das deutsche Feuilleton insgesamt bezüglich des Themas Iran befindet. Es wird mit Begriffen herum hantiert, ohne sie dem Leser näher zu erläutern. Gleichzeitig soll damit suggeriert werden, hier schreibt ein Experte.
Äußerungen einzelner Prominenter (hier etwa die von Groß-Ayatollah Hassan Sanei oder Ayatollah Dschalaleddin Taheri Chorramabadi) werden als Synonym für eine Gesamtkrise des iranischen Klerus abgeleitet. Ob, wann und wo diese Formulierungen gefallen sind, erfährt der Zeitungsleser nicht. Dies trifft auch auf die „unbestreitbaren Daten“ zu, die an keiner Stelle seines Artikels auftauchen. Öffentlich ausgetragene Meinungsverschiedenheiten zwischen Theologen, werden als „Fieber“ gedeutet (angesichts der gegenseitigen Beschimpfungen einzelner Kabinettsmitglieder müsste sich ja die deutsche Regierung schon längst im Fieberkoma befinden).
Leider sind viele Beiträge über Iran in der hiesigen Presse so gestrickt. Ich weiß nicht, wann Herr Chimelli das letzte Mal im Iran war. Ich habe das Land vor zwei Jahren besucht und weder ein „Klima intellektueller Dürftigkeit“ erlebt, noch eine Massenarmut unter der Bevölkerung gesehen. Sicherlich hat sich die Gesamtstimmung nach den Protesten des vergangenen Jahres verändert, ebenso dürfte die wirtschaftliche Situation eine Rolle spielen. Ich habe die Iraner als ein sehr kritisch eingestelltes Volk kennen gelernt, die auch im Iran mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg halten, auch öffentlich. Das andere, die sich kritisch zu Wort melden, im Gefängnis landen, halte ich für einen unnötigen Schwachpunkt des Regimes. Darüber sollte man selbstverständlich schreiben.
Herr Chimelli bedient eine bestimmte Klientel. Letztendlich ist seine Meinung nicht maßgeblich. Dennoch finde ich die Initiative von „Irananders“ positiv. Vielleicht hat sie eine Signalwirkung.

M.A.29-08-10

Lieber Homayoun,

du hast geschrieben:
"Ich finde aber Beschwerden über die Artikel die die Aussenpolitik und die Kriegshetze betreffen, momentan wichtiger als die Richtigstellung bezüglich innenpolitischer Punkte (die eher langfristig angelegt sind). Die Meinungsmache und Kriegshetze wirkt sich unmittelbar aus und zwar auf alle Menschen"

Das habe ich auch zuerst vermutet. Aber ich glaube, das ist zu kurzfristig gedacht. Unsere gesamte Außenpolitik gegenüber Iran wird auf der Annahme formuliert, dass das Land innenpolitisch bald zusammenbricht, weil es keinen Rückhalt in der Bevölkerung gibt, die Wirtschaft bergab geht und die Menschen verblöden. Obwohl es offenbar genau andersherum ist, wird auf diesen Annahmen aufbauend unsere Politik gemacht. Obama hatte 2009 Anzeichen auf Annäherung gezeigt, bis zu den Wahlunruhen. Und siehe da: Plötzlich hieß es das "Regime" hält sich nichtmehr lange an der Macht, mit denen brauchen wir nicht reden.

Darum denke ich, ist es erstmal auch mindestens genausowichtig, dass den Menschen in Verantwortungspositionen in Deutschland klar gemacht wird, dass das Land nach wie vor ziemlich stark und stabil ist, damit endlich mit dieser falschen Außenpolitik gegenüber Iran aufzutreten und es wie einen "Schwächling" oder "Failed State" zu behandeln. Tut man das wieterhin, reagiert Iran im gleichen Ton, weil es sich das erlauben kann. Und das führt dann widerum erst zur Kriegshetze bzgl. Irans Außenpolitik. Wenn Iran Drohnen zur Selbstverteidigung baut, weil es das kann, schwafelt man etwas von Drohne des Todes. Ziehen die Atommeiler hoch, schwafelt man etwas von nuklearem Holocaust usw.

A. Safa30-08-10

Als einfacher Leser dieser Artikel ärgere mich sehr ein brutales barbarisches Regime mit bewusst oder unbewusst (spielt keine rolle) falschen Daten als unschuldig und gut darzustellen. Das Volk im Iran ist seit letztem Jahr aufgestanden und hat das Ende der Diktatur im Iran angekündigt. Es braucht aber Zeit dies dauerhaft zu verwirklichen. Eine gute und dauerhafte Demokratie braucht als aller erstes VERSTANDEN zu werden. Und dies hat das Volk letztes Jahr tief in den Knochen gespürt und mit großen Schmerzen erlebt. Das Volk weiß schon genau was es will und die werden uns bald mit einem Regimwechsel zeigen.

@ A. Safa31-08-10

Falsch sind Ihre Behauptungen denn Ahmadinedschadad gewann die Wahlen. Von "Volk ist seit letztem Jahr aufgestanden" kann nicht die Rede sein.

http://irananders.de/fileadmin/pdfs/Die_Inkohaerenz_der_Faelschungsvorwuerfe.pdf

Ich danke Irananders für die wertvolle Aufklärungsarbeit.

Beleuchter31-08-10

Ich habe ein paar allgemeine Fragen an die "nicht-Iranische Autoren dieses Artikels und andere im Irananders veröffentlichten Berichte/Artikels. Herr Ralf Abbasi, A. W., Herr Schmidt, Herr Thomas Effe usw.:

1)Ich möchte hinsichtlich Ihrer Veröffentlichungen sehr gerne mehr über jeden einzelnen von Ihnen erfahren, daher habe ich im Internet recherchiert und fand leider unter Ihren Namen nichts, was nicht mit Irananders zu tun hat oder im Zusammenhang steht. Können Sie mir da ein paar links und/oder sonstige Internetunterstützung geben, Bitte?
2) sind Sie alle der Persichen sprache mächtig? Ich meine können Sie Farsi sprechen, schreiben und lesen?
3) Wann waren Sie das letzte mal persönlich im Iran und wie lange dort verbracht? Selbstverständlich sind ungefähre Angaben für mich ausreichend.

Sehr geehrte Autorinnen und Autoren, die entscheidung, ob Sie diese Fragen alle oder teils beantworten möchten oder nicht, liegt SELBSTVERSTÄNDLICH nur an Ihnen selbst. Der Grund meiner Fragestellung liegt daran, dass ich mehr oder weniger immer dieselben Namen unter den nicht Iranischen Autoren erkenne und man wird logischerweise neugierig und will mehr über diese Personen (allgemeine Infos) erfahren.

vielen Dank, vorab!
Beleuchter

Martin31-08-10

@ Safa
Welche Daten von Iranander sind unkorrekt? SZ nennt keine Quellen, Iranander nennt sie. Haben Sie andere Quellen? Wenn nicht, dann irritieren Sie nicht die Leute!

Redaktion31-08-10

Herr Schmitt ist Politikwissenschaftler aus Hamburg und A. W. macht die Recherche.

A01-09-10

@M.A. + Homayoun H.

Spätestens als während der Demonstrationen der grünen Bewegung die Parole "Obama, Obama, ya ba ma ya ba anha" (Obama, Obama, entweder mit uns oder mit denen) zu hören war, konnte man von einem schädlichen Missbrauch ausgehen (sei es von einem fremden Staat, einer Exil-Opposition oder einfach Naivität). Denn die Parole bedeutete ein klarer Aufruf an US-Präsident Barack Obama: versöhne dich nicht mit dem Iran.

Bekanntlich haben Fernseh- und Radiostationen der Exil-Opposition und Israels begonnen (also nicht schon zu Beginn der Demos) Parolen zu formulieren und haben diese den Demonstranten zum Ausrufen empfohlen.

Man kann davon ausgehen, dass Falken, die mit dem Iran-Kurs Obamas unzufrieden waren, diese Parolen ihn vorgezeigt haben.

Homayoun H.01-09-10

@A.

http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2008/05/26/AR2008052601740.html?nav=rss_opinion/columns

(Der Artikel ist von 2008, also vor der Wahl Obamas)

Und wer Brzezinski kennt, weiss wie der Mann bzgl. Russland und Israel tickt.

Homayoun H.01-09-10

Sehr geehrter Beleuchter,

es geht doch in erster Linie um die Sache, um Argumente, um Fakten, um Daten, und nicht um Personen und ihre Biographie. Warum beschäftigen wir uns nicht lieber mit den Artikeln und diskuttieren darüber was daran Falsch oder Richtig ist? Wenn wir Argumente für/gegen etwas haben, tragen wir Sie vor.

Mit freundlichen Grüßen,

Homayoun

TE01-09-10

@ Homayoun

Das ist richtig. Barack Obama hat damals eine Position übernommen, die schon davor im Begriff war im Westen sich bereit zu machen. Nämlich, dass die Sanktionspolitik gescheitert ist, und man den Iran jetzt ernst nehmen muss: "such a heavy-handed "sticks" and "carrots" policy may work with donkeys but not with serious countries" (Brzezinski). Schon die Bush-Regierung begann in ihrem letzten Amtsjahr Verhandlungen mit Teheran aufzunehmen.

Von dieser Einsicht ist im Westen nicht viel geblieben, eine wesentliche Rolle spielt die grüne Revolte und das angebliche Abblitzen Teherans gegenüber Obamas höflichen Gesten (Nowruz-Rede). In politischen Kreisen ist man überzeugt, dass Teheran Obama angeblich abblitzte um den äußeren Feind USA aufrechtzuerhalten, damit man dadurch die grüne Revolte nieder schlagen kann. Denn angeblich ist das Regime ja ernsthaft angeschlagen, eine Fehleinschätzung die zu anderen Fehleinschätzungen führt. Und zum anderen bedeutet ein angeschlagenes Land ein „donkey“ zu sein.

Als Chamenei vor etwa einem Jahr sagte, dass das Beherrschen der nuklearen Technologie in der Geschichte des Irans die größte Bedeutung hat, mehr als das Entdecken des Erdöls, dann meint er vermutlich die Tatsache, dass durch das Beherrschen dieser Technologie, der Iran (für die Außenwelt) die Option auf die A-Waffe hat und man somit nie wieder mit ihm wie mit einem „donkey“ umgehen kann. Dass bestimmte Lobbys und Interessensgruppen in den USA - um jeden Preis - sich für einen militärischen Angriff stark machen, ist nicht der Frucht vor einem atomaren Erstschlag des Irans, noch sind es Paranoiden, sondern politisches Kalkül: die Furcht vor der endgültigen Machtverschiebung im Nahen Osten. Ein Machtkampf in der iranischen Atomfrage tobt so gesehen viel mehr in Washington als in Teheran.

Beleuchter02-09-10

@Homayoun: Das ist sehr lieb von dir, dass Du dich immer angesprochen fühlst und Kommentar bereit bist. Wenn ich mit Dir über die Artikeln diskutieren will, dann tue ich es einfach und spreche Dich persönlich und direkt an. Ich glaube das hast du bis jetzt ganz klar und eindeutig aus den anderen Diskussionen mitgekriegt. Sei mir bitte nicht böse, aber das hier, wie du auch in meinem Kommentar siehst, geht gar nicht um dich, Deine Person oder deine Kommentare. Die Autoren, die ich angesprochen habe, werden selbst wissen, ob sie die eine oder andere Antwort geben möchten oder nicht. Jedenfalls befinden wir uns ALLE in der Demokratie und können aussuchen, ob wir uns zu etwas äußern möchten oder nicht.Übrignes, keine Antwort ist auch eine Antwort (in meinen Augen)...

@ Redaktion: Danke für die Info. Gibt es über Herrn Schmidt irgendwelche Artikel-Links, Berichte oder Veröffentlichungen im Netz? Kann ich über anderen Autoren etwas mehr im Internet finden (Irananders-Aktivitäten kenne ich schon)?

LS02-09-10

Lieber Beleuchteter,

ich kann leider kein Farsi, bin dafür aber durch fließendes Englisch und Französisch relativ unabhängig von den üblichen deutschen Berichterstattungen. Hinzu kommt der äußerst vorteilhafte Zugang zu verschiedensten internationalen Quellen und Datenbanken.

Zeitlos02-09-10

Sobald die Argumente ausgehen, schaut man nach scheinbar dunklen Flecken in der Biographie. In verschiedenen Foren wird Irananders gerne mit Jürgen Elsässer im Zusammenhang gebracht. Das ist das einzige Argument der Kritiker. Wow, was für eine aufgeklärte demokratische Welt doch.

Beleuchter02-09-10

@LS: vielen Dank für die Info!
@Zeitlos:
-Ich weiß nicht, was mit deiner Biografie los ist und/oder es scheinbar dunkle Flecken darin gibt oder nicht. ehrlich gesagt, es interessiert mich auch nicht. Man könnte jedoch meinen, du sprichst aus der Erfahrung.
-Argumente ausgegangen? Frage lieber Homayoun in der Hinsicht ;-).
-Jürgen Elsässer ist von mir nicht mit Irananders in Verbindung gebracht worden, sondern mit Herrn Arkiyan und der Zusammenhang wurde imselben Forum auch bestätigt. Man soll alles zu Ende lesen...
-Aber man merkts, dass meine Fragen an die Autoren doch ein paar "Nicht-Autoren" nicht gefallen hat. Dabei sind diese gar nicht von mir angesprochen und möchten gerne ihren "verärgerten" Beitrag dazu geben :-) Das finde ich amüsant... Noch amüsanter finde ich es, dass ich doch ein paar vernünftige Antworten hierzu bekommen habe und hoffe auf noch mehr Antworten der "AUTOREN" oder der "REDAKTION". Danke an diejenigen aus der Redaktion und Autorenreihen, die die Demokratie richtig verstanden haben :-)

Zeitlos02-09-10

Es ist in der der politischen Kultur Deutschlands nun mal so, dass man sich gerne solche Methoden bedient. Das hat nichts mit meiner persönlichen Erfahrung zu tun. Und was Elsässer betrifft bezog ich mich auf andere Foren. Und zur Demokratie gehört das gute Recht auf Anonymität. So wie dein und mein Name in diesem Forum.

Homayoun H.02-09-10

@A.

Richtig. Aber in diesem Zusammenhang muss man auch sagen dass der "äußere Feind" derzeit (und auch in der Vergangenheit) auch sehr geschickt von der iranischen Regierung benutzt wird, um den inneren Frieden wieder zu stärken bzw. den Fokus auf den äußeren Feind (den es ja natürlich Real gibt) zu richten. In solch einer gefährlichen Situation die alle Iraner betrifft (auch die Grünen) kann man eben auch leichter den inner-iranischen Wiederstand schwächen bzw. deren Legitimation in Frage stellen in dem man auf die patriotische Karte setzt. Und selbstverständlich sind dann auch die Iraner Patriotisch und müssen es auch sein! Es gibt keine Alternative (sogar wenn Sie wissen, dass dies von der Regierung so gewollt ist: ich z.B.). Allerdings kann diese Strategie auch nicht ewig funktionieren, deshalb versucht die iranische Regierung auch parallel zu dieser Strategie, die schrittweise Demokratisierung Irans (innerhalb der islamischen Fundamente, mehr oder weniger kontrolliert und ohne große Gefährdung der eigenen Position) auch etwas vorwärts zu bringen. Meine Hoffnung besteht nun darin, dass sich dieser Demokratisierungsprozess mehr oder weniger verselbständigt, in allen gesellschaftlichen Schichten Fuss fasst und über dem was derzeit erlaubt werden soll, hinausgeht und wir somit irgendwann eine Stufe erreichen, die halbwegs demokratisch (mit islamischen und nationalistischen Elementen, zugeschnitten auf die Iraner, auf ALLE Iraner) ist. In dieser (auf den Iran passenden) Demokratie, wird es dann auch Platz für Alle geben, inkl. all den Ayatollahs und regimetreuen Anhänger und Machthaber als auch Menschen die mehr wollen als Das was wir Heute im Iran haben (längerfristige Prognose). Eine friedliche und langsame Mutation sozusagen. Ich denke das ist die gesündeste Methode für Iran und Iraner (und übrigens auch für USA und der westlichen Welt, denn dann können sie auch die "Machtverschiebung" besser akzeptieren!)

Jetzt fehlen eigentlich nur noch ein paar kluge Entscheidungen im Ausland, damit dann Alle was davon haben (Iraner und Westler).

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Sehr geehrter Beleuchter,

"keine Antwort ist auch eine Antwort"

in der Tat.

Mit freundlichen Grüßen,

Homayoun

Engelhardt06-01-15

Selbst Ayatollah Khui, der Lehrer von Sistani, war politisch und indossierte die Herrschaftstheorie von Wilayat al-Faqih: https://www.facebook.com/video.php?v=1011980658818468






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